ANDREAS REBERS 15. Okt // Artikel Merkur

REVEREND ZIEHT PUBLIKUM IN SEINEN BANN

Kabarettist Andreas Rebers auf Mission in Schliersee

 

Kabarettist Andreas Rebers begeistert das Publikum mit witzigen Wortspielen, politisch unkorrekten Zumutungen, nachdenklichem Humor und bissiger Kritik. „Was mir Angst macht: dass es euch gefällt.“

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Schliersee– Kulturherbst, Kirchweih und 500 Jahre Reformation: Da war die Schlierseer Christuskirche das richtige Podium für „Reverend“ Andreas Rebers, um seine sommerlichen „Bergpredigten“ auf dem Stümpfling heuer mal durch ein wortgewaltiges „Amen“ im Herbst zu beschließen. Das durchaus weltliche Wort zum Sonntag umrahmte der religiöse Freestyler, gestärkt durch den einen oder anderen Schluck „Reformator“-Bier, mit weniger frommen als eindringlichen Gesängen zu Elektroklavier und Akkordeon.

 

Obwohl das Leviten-Lesen länger währte als eine Gottesdienst-Ansprache der begeisterten „Hausherrin“ Pfarrerin Melanie Striebeck, hingen die Zuhörer in der voll besetzten evangelischen Kirche dem „Blockwart Gottes“ gebannt an den Lippen. Der Christ, Jude, Moslem und Buddhist zitierte gewandt aus Bibel oder Koran und geißelte Übertreibung und Missionseifer auch bei alltäglichen Glaubensfragen. Mit der geschiedenen, alleinerziehenden Frau Hammer, „geborene Sichel“, illustrierte Rebers seine Abneigung gegen ein konzentriertes Zuviel an veganer Lebensweise, frommem Umweltschutz, proeuropäischen Radfahrern und Nachbars-Belehrungen. „Liebe Brüderinnen und Brüder“, hob der Redner immer wieder an, um auch geistreich und scharf mit Frauenfeindlichkeit, mit zu strikten Weisungen an Christen, Muslime oder Juden, mit Kungeleien zwischen Diktatoren oder einfach nur mit der „Selbstentstellung durch funktionelle Fahrradkleidung“ samt Action-Cam auf dem Sturzhelm zu hadern. „Macht euch die Erde untertan, steht in der Bibel. Von Heilelassen hat Gott nichts gesagt.“

Die Diskussionen um Pegida und AfD weckten Rebers’ beklemmende Fantasien über eine „Hass-Gruppe“, die einen Wahlforscher aus Haßfurt beschäftigt, Huskys hält und Hasseröder oder Cappuccino mit Hakenkreuz trinkt und das Tattoo „Deutschland, wir retten deine Haut“ trägt. Als Sohn schlesischer Flüchtlinge mit einem schwer kriegsbeschädigten, arbeitslosen Vater zeigte der 59-jährige Schlierseer Neubürger mehr Verständnis für die Nöte Heimatloser am Rand der Gesellschaft als für weich gespülte Kindererziehung. „Teilen, teilen, das macht Spaß“, sang er und ergänzte: „Damit wirst du nichts bei der Deutschen Bank!“

 

Vielleicht hilft dem Land Rebers’ bizarre Glaubensgemeinschaft der „Bitocken“? Das geistige Zuhause im „großen Mompel von Popowitz“, bietet nicht nur Minarette und Türmchen für alle denkbaren Religionsrichtungen „bis hin zu den Zeugen Bonsais“, sondern sogar ein „Büro für Rache und Vergeltung“, auch wenn der Kabarettist nichts vom Herbeibomben einer Anschauung hält. Mit Jubel und Betroffenheit, Verständnis und Widerwillen, Kopfschütteln oder Begeisterung ließ sich das Publikum von witzigen Wortspielen, politisch unkorrekten Zumutungen, nachdenklichem Humor und bissiger Kritik eineinhalb Stunden hingerissen die Leviten lesen. Zu einem seiner respektlosen Lieder sagte Rebers: „Wisst ihr, was mir Angst macht? Dass mir so etwas einfällt. Und was mir noch mehr Angst macht: dass es euch gefällt.“

Von Gudula Beyse